WSV 1923 Bad Freienwalde Der Verein Vereinschronik

Vereinschronik

Bad Freienwalde mit seinem weitläufigen Hügelgelände war einst ein Wintersportzentrum, wie man es sonst nur in Bayern, Thüringen, Riesengebirge und im Harz kannte. Mit der Neugründung des Vereins im Jahr 2000 knüpfen wir an diese Tradition an.

(…) ”Das märkische St.Moritz”. Mit dieser Bezeichnung hatte der wintersportbegeisterte und zugleich lokalpatriotische Berichterstatter Bad Freienwalde gemeint. Es ist möglich, das mancher und besonders der Fremde leicht gelächelt hat, als er diese Überschrift las. Aber dennoch: Es ist schon etwas Wahres daran, wenn man behauptet, daß die Kreisstadt Oberbarnims ein durchaus annehmbarer und auch beliebter Wintersportplatz ist. | Oberbarnimer Kreiskalender 1942

 

Der Beginn vom “Märkischen St. Moritz”

Zum ersten “Märkischen Wintersporttag” vom 12. bis 14. Januar 1924 kamen Tausende von Besuchern. Rodeln und Eislaufen hatten bereits eine lange Tradition: jetzt wurde der Ski-Langlauf zu einer zunehmend populären Disziplin. Das größte Interesse aber fand das Skispringen. Auf einer aus Schnee gebauten “Sprungschanze” am Papenberg fand 1924 erstmals ein Skispringen statt – das erste überhaupt in Norddeutschland. Bereits Weiten von 6 bis 9 Metern imponierten. Das war der Anfang.

Schon im Jahr 1923 wurde der Wintersportverein von Bad Freienwalde gegründet. In jenem Jahr wurde die Rodelbahn ausgebaut. Es folgte drei Jahre später die Einweihung der Skihütte hinter der “Grünen Tanne”; parallel wurde die Skisprungschanze verbessert und schließlich 1925 als “Papengrundschanze” eröffnet.

 

“Einspringen” der Papengrundschanze

Neben regelmäßigen Wanderungen und Ausflügen, wie der Vereinskalender verrät, wurden ab 1926 “Trockenskikurse” abgehalten. Außerdem kam zur Gründung einer Tennisabteilung (1928) und einer Hockeyabteilung (1932). Aus dem bewegten Jahr 1929 dokumentiert der Vereinskalender zum Programm des 3. Märkischen Wintersporttags vom 19. bis 20. Januar:

Verbandsstaffellauf des N.S.V. (Sieger: Skigilde Berlin); Einspringen der “Papengrundschanze”; Rodelrennen; 27.1.: Vereinsrennen; 17.2.: 28 km Dauerlauf (Sieger: Thrane, SC Charlottenburg) in der Zeit von 2 Stunden, 8 Minuten, 29 Sekunden; 15 km Langlauf (Sieger: Thrane, SC Charlottenburg) in der Zeit von 1:6:5; Damen-, Jugend- und Jungmannrennen; Skispringen: (Seeland-Norwegen springt 24 m); 3. März: Springen an der “Papengrundschanze” (Kamitz springt 27,5m) | Vereinskalender des Wintersportvereins Bad Freienwalde 1923-1932

 

Skisprung-Ikone Birger Ruud in Bad Freienwalde

Beim 3. Märkischen Wintersporttag stand am Berghang zur Berliner Straße bereits eine Naturschanze bereit, deren Schanzenrekord bei 28 Metern gelegen haben soll. Überliefert ist, dass der Norweger Birger Ruud, der spätere Olympia-Sieger von 1932 und 1936, hier 24 Meter erzielte. 1942 berichtet der Oberbarnimer Kreiskalender:

Die Tatsache, daß es sich hier um eine sogenannte Naturschanze handelt, die keinen künstlichen Aufbau notwendig machte, stellt sie in die Reihe der besten Schanzen überhaupt. Sie ist für jeden Springer möglich und bezwingbar, andererseits aber bei 28 bis 30 Grad verhältnismäßig steil und läßt Sprünge bis zu 30 Metern zu. Wenn diese verhältnismäßig selten erzielt werden, so liegt das zumeißt – abgesehen vom Können des einzelnen – an den Schneeverhätnissen unserer Gegend, die in der Regel nicht ausreichen. | Oberbarnimer Kreiskalender 1942

 

Vertiefung der Sportarbeit

Mit dem Beginn des Krieges versuchten die Freienwalder die wintersportlichen Aktivitäten nicht einschlafen zu lassen, wofür die schneereichen Winter der Jahre 1939/40 und 1940/41 immerhin gute Voraussetzungen schufen. Wenn in früheren Jahren fast regelmäßig Meisterschaften zusammen mit Berliner Sportlern ausgetragen wurden, so war dies infolge kriegsbedingter Verhältnisse aber nicht möglich. Die Arbeit des Vereins konzentrierte sich deshalb vor allem auf die Organisation von Schulungsangeboten für Wintersportbegeisterte:

(…) Aus diesem Grunde fand in Bad Freienwalde am 22. und 23. Februar 1941 eine Tagung statt, auf der die Übungsleiter aus vielen Orten von Barnim-Uckermark durch den Bezirkssportwart Wolf (Berlin) geschult wurden. Diese sollten dann das Gelernte in ihre Vereine weitertragen und allen, die am Skilauf Freude haben, den Sport richtig und nach neuesten Erfahrungen beibringen. (…) Die meisten Menschen werden ja keine Rennläufer sein, vielmehr das Skiwandern , die “Touristik”, pflegen. Aber auch sie müssen die richtige Fahrtechnik beherrschen, um auftretenden Schwierigkeiten gewachsen zu sein und damit erst rechte Freude am Sport zu haben. Aus dieser Überlegung heraus hat man in Freienwalde und von dort aus im Bezirk Barnim-Uckermark in den Kriegswintern eine Vertiefung der Sportarbeit an die Stelle von Meisterschaftsveranstaltungen treten lassen.Oberbarnimer Kreiskalender 1942

 

Nachkriegszeit: Anknüpfen an Wintersport-Traditionen

Mitte der fünfziger Jahre besann man sich der Vorkriegstradition: Die Schanze wurde durch einen kleinen Turm im Anlauf erhöht und das Schanzenprofil verbessert, um Weiten bis zu 40 m erzielen zu können. Im “Heimatkalender Bad Freienwalde” ist 1957 zu lesen:

Nun sind unsere Sportler wieder dabei, die Schanze neu herzurichten. Genau nach den Vorschriften der Internationalen Wettlaufordnung und nach den entsprechenden Bestimmungen unserer Republik geschieht der Umbau. Der Anlauf ist verlängert und steiler (30°) gelegt worden, auch der Aufsprung hat eine größere Neigung (34°) erhalten. Der “kritische” Punkt , die Stelle wo sich die Aufsprungkurve und die Auslaufkurve berühren, bzw. die eine in die andere übergeht, liegt bei etwa 34 m. Da der kritische Punkt bis zu 10 Prozent übersprungen werden darf, sind bei guten Schneeverhätnissen Sprünge bis zu 38 m zu erwarten. Natürlich sehen wir alle der nächsten Saison mit Ungeduld entgegen. | Heimatkalender Bad Freienwalde 1957

 

Vorläufiges Ende Mitte der 70er Jahre

Fast mahnend hieß es im Heimatkalender von 1957 noch, die Jugend möge “die Sprungschanze in besondere Pflege übernehmen und darüber wachen, daß sie in Ordnung bleibt.” Doch Mitte der 70er Jahre kam die Initiative zum Erliegen: Das vorerst letzte Skispringen fand statt. Es heißt, der Schnee sei ausgeblieben. Dass wir seither nur milde Winter und keinen Schneefall gehabt hätten, wird sich aus den Aufzeichnungen des Wetteramtes wohl nicht ganz überzeugend belegen lassen.

 

Neubelebung und Schanzenneubau ab 2000

Im Jahr 2001 schlossen sich einige engagierte Bad Freienwalder zur Neugründung des Vereins zusammen. Ihr Ziel war es, die Schanzenanlagen am Papengrund zu erhalten und weiter auszubauen, um vor allem den Kindern und Jugendlichen in der Region attraktive Wintersport- und Freizeitmöglichkeiten bieten zu können. Durch viel persönlichen Einsatz, Sponsorengelder und EU-Fördermittel konnte der Wiederaufbau der Schanzenanlage – heute unter dem Namen „Sparkassen Ski-Arena“ – erreicht werden. Höhepunkt bildete buchstäblich der Bau unserer großen 60-Meter-Anlage, die seit 2008 den Titel “Kurstadtschanze Helmut Recknagel” trägt und damit unseren Freund und prominenten Unterstützer ehrt. Mit den nunmehr professionellen Bedingungen wurde Bad Freienwalde auch international zu einem angesehen Hotspot für den Nordischen Skisport.